Eine Industrie- oder Lagerhalle trägt mit 5.000 m² Dachfläche eine Photovoltaikanlage oder kurz PV-Anlage von rund 500 kWp. Ein Betrieb, der tagsüber produziert, nutzt einen großen Teil dieses Stroms selbst und ersetzt damit Netzstrom, der kleine und mittlere Industriebetriebe 2026 im Durchschnitt 17,2 Cent je kWh kostet.
Entscheidend sind Statik, Netzanschluss und Brandschutz. Diese drei Punkte klären Sie vor dem ersten Angebot.
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Das Wichtigste in Kürze
- Auf Flachdächern rechnen Planer mit 6 bis 10 m² Dachfläche je kWp, je nach Aufständerung und Abständen.
- Rund 32.500 Industrie- und Logistikgebäude ab 5.000 m² haben zusammen 362,8 Mio. m² nutzbare Dachfläche; belegt war 2024 nicht einmal ein Zehntel.
- Das vereinfachte NELEV-Verfahren setzt höchstens 270 kW Einspeiseleistung und höchstens 500 kW kumulierte installierte Leistung voraus. Einheiten- und Komponentenzertifikate bleiben nötig; oberhalb von 270 kW installierter Leistung kommen weitere Schutznachweise hinzu.
- Die Kosten bis zum Netzanschlusspunkt trägt der Betreiber: von rund 10.000 Euro bis über 150.000 Euro mit eigener Trafostation.
- Im Mehrschichtbetrieb nutzen Betriebe ohne Speicher etwa 50 bis 70 % des Solarstroms selbst.
- Stand 25.10.2026
- Quellen am Ende des Artikels
Wie groß ist das Potenzial der Hallendächer?
Sehr groß und kaum genutzt. Die Studie eines Logistikimmobilien-Unternehmens hat 2024 rund 32.500 Industrie- und Logistikgebäude mit mindestens 5.000 m² Dachfläche ausgewertet. Zusammen kommen sie auf 362,8 Mio. m² kommerziell nutzbare Dachfläche. Theoretisch passen darauf 36,6 Gigawatt.
Mit PV belegt war laut der Studie nicht einmal ein Zehntel dieser Flächen. Das volle Potenzial halten die Verfasser selbst für unrealistisch, weil viele Dächer erst statisch ertüchtigt werden müssen. Nach ihrer Schätzung tragen 40 bis 50 % der Bestandsdächer herkömmliche Systeme mit 15 bis 25 kg je m² nicht ohne Weiteres. Was für Unternehmen allgemein gilt, fasst der Leitfaden Photovoltaik für Unternehmen zusammen.
Welche Hallendächer eignen sich für eine Solaranlage?
Geeignet ist ein Dach, das die zusätzliche Last trägt und noch mindestens so lange hält wie die Anlage. Die Finanzverwaltung setzt für PV-Anlagen eine Nutzungsdauer von 20 Jahren an. Prüfen Sie drei Punkte:
- Statik: Ein Statiker berechnet die Reserve für Modullast, Schnee und Wind. Ein Gutachten kostet nach Branchenangaben 2.000 bis 5.000 Euro.
- Eindeckung: Trapezblech, Sandwichpaneele und Foliendächer brauchen je eigene Befestigungen. Bei Foliendächern vermeiden Ballastsysteme Durchdringungen, bringen aber mehr Gewicht.
- Zustand: Steht in den nächsten Jahren eine Dachsanierung an, ziehen Sie diese vor. Ein späterer Ab- und Wiederaufbau der Module kostet doppelt.
Bei knapper Statik helfen leichte Ost-West-Systeme mit flacher Neigung. Sie liefern je kWp weniger Strom, verteilen die Erzeugung aber über den Tag. Eine eigene Abfrage im Werkzeug PVGIS der EU-Kommission für Kassel ergibt 853 kWh je kWp bei Ost-West mit 10° Neigung und 1.015 kWh je kWp nach Süden mit 35°.
Was gilt beim Brandschutz?
Die Anforderungen stehen in der Bauordnung Ihres Bundeslands. Sie regelt vor allem die Abstände von Solaranlagen zu Brandwänden und die Ausführung über Brandabschnitte hinweg. Die Länder haben diese Regeln in den letzten Jahren unterschiedlich gelockert. Ihr Fachbetrieb und Ihr Brandschutzplaner kennen den Stand für Ihren Standort.
Achten Sie zusätzlich auf drei Dinge:
- Ihr Gebäudeversicherer hat oft eigene Vorgaben, zum Beispiel nach der Richtlinie VdS 3145 für Photovoltaikanlagen. Binden Sie ihn vor der Bestellung ein.
- Leitungswege und Wechselrichter gehören nicht in Bereiche mit brennbarer Lagerware.
- Die Feuerwehr braucht einen aktuellen Plan mit Lage der Module, Leitungen und Abschaltung.
Wie viel Dachfläche braucht eine Anlage?
Auf Flachdächern rechnen Planer mit 6 bis 10 m² Dachfläche je kWp. Die Spanne hängt von Aufständerung, Reihenabstand, Randabständen, Lichtkuppeln und Wartungswegen ab. Branchenangaben nennen für Aufdach-Flachdachanlagen 6 bis 8 m² je kWp. Aus den Zahlen der Dachflächenstudie ergeben sich rund 10 m² je kWp.
| Nutzbare Dachfläche | Anlagengröße bei 6–10 m² je kWp | Ertrag bei 900 kWh je kWp |
|---|---|---|
| 1.000 m² | 100–170 kWp | 90.000–150.000 kWh |
| 2.500 m² | 250–420 kWp | 225.000–375.000 kWh |
| 5.000 m² | 500–830 kWp | 450.000–750.000 kWh |
| 10.000 m² | 1.000–1.670 kWp | 0,9–1,5 Mio. kWh |
Über 100 kW müssen Sie den eingespeisten Strom direkt vermarkten. Über 1.000 kW legt eine Ausschreibung der Bundesnetzagentur den anzulegenden Wert fest. 2025 lagen die höchsten noch bezuschlagten Gebote für Dachanlagen zwischen 9,69 und 10,40 Cent je kWh.
Was kostet der Netzanschluss in der Mittelspannung?
Das hängt stark davon ab, ob Ihr Standort schon eine Übergabestation hat. Den Anschluss bis zum Verknüpfungspunkt zahlen Sie als Betreiber (§ 16 EEG). Den Ausbau des Netzes trägt der Netzbetreiber.
| Fall | Kosten | Quelle |
|---|---|---|
| Netzanschluss Mittelspannung ohne eigene Station | 10.000–50.000 € netto | Branchenangaben 09/2026 |
| eigene Trafostation, Übergabeschutzstation und Kabel | rund 150.000–250.000 € | Fachmedium, 12/2024 |
| Statikgutachten | 2.000–5.000 € | Branchenangaben 09/2026 |
Den Verknüpfungspunkt bestimmt der Netzbetreiber nach Entfernung und Gesamtkosten (§ 8 EEG). Das Ergebnis der Netzverträglichkeitsprüfung muss er spätestens acht Wochen nach Eingang aller Unterlagen übermitteln. Lassen Sie seine Kostenrechnung bei hohen Beträgen prüfen.
§ 2 Absatz 4 NELEV erleichtert den Nachweis für die dort bezeichneten Typ-B-Anlagen: höchstens 270 kW Einspeiseleistung am Netzverknüpfungspunkt und bis 500 kW kumulierte installierte Leistung hinter diesem Punkt. Gültige Einheiten- und Komponentenzertifikate bleiben erforderlich. Bei über 270 bis 500 kW installierter Leistung in Mittelspannung oder höher muss zusätzlich die fachgerechte Installation und Inbetriebnahme des Entkupplungsschutzes oder einer gleichwertigen Einrichtung durch ein Prüfprotokoll nachgewiesen werden. Die technischen Anschlussregeln und die Anforderungen des konkreten Netzbetreibers gelten weiter.
Wie viel Solarstrom nutzt ein Betrieb im Schichtbetrieb selbst?
Je länger die Maschinen tagsüber laufen, desto mehr. Branchenangaben nennen für Betriebe mit Mehrschicht- oder Rund-um-die-Uhr-Betrieb 50 bis 70 % Eigenverbrauch ohne Speicher und 70 bis 85 % mit Speicher. Bei einer Schicht von Montag bis Freitag sind es 40 bis 60 % ohne und 60 bis 80 % mit Speicher.
Die Werte gelten, wenn die Anlage zum Verbrauch passt. Grundlage für die Planung ist Ihr Lastgang, also der Verbrauch in Viertelstunden über ein Jahr. Ihr Messstellenbetreiber oder Lieferant stellt ihn bereit. Wochenenden, Betriebsferien und Mittagsspitzen zeigen, wie groß die Anlage sein darf. Lastspitzen glättet ein Gewerbespeicher.
Kaufen oder Dach verpachten?
Beim Kauf gehört Ihnen der Strom, und Sie sparen am meisten. Bei Pacht oder Contracting baut ein Investor, und Sie erhalten eine Pacht oder günstigen Strom ohne eigene Investition. Die Modelle vergleicht der Ratgeber Dachfläche verpachten oder Contracting.
Für Neubauten von Hallen kommt ab 2027 die Pflicht zur Solaranlage dazu. Was dann gilt, steht im Ratgeber zur Solarpflicht für Nichtwohngebäude.
Wie läuft ein Hallenprojekt ab?
- Lastgang und Ziel: Verbrauch auswerten und die Anlagengröße festlegen
- Dach und Statik: Gutachten, Zustand der Eindeckung, Brandschutz, Versicherer
- Angebote: bis zu drei Angebote mit gleicher Leistung vergleichen
- Netzanschluss: Netzanschlussbegehren stellen; die Prüfung dauert bis zu acht Wochen, bei Anlagen ab 750 kWp in der Mittelspannung laut Branchenangaben oft zwei bis sechs Monate
- Bau und Inbetriebnahme: Montage, Abnahme, Direktvermarktung über 100 kW
- Register: Eintrag ins Marktstammdatenregister innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme
Planen Sie vom ersten Gespräch bis zur Inbetriebnahme mehrere Monate ein. Am längsten dauert meist der Netzanschluss.
Rechenbeispiel: 400 kWp auf einer Produktionshalle
Ein Metallbetrieb mit zwei Schichten verbraucht 1,2 Mio. kWh Strom im Jahr. Auf 4.000 m² seiner Halle passen 400 kWp. Die Annahmen:
- Kosten 800 Euro je kWp, also 320.000 Euro, dazu 20.000 Euro für Netzanschluss und Schutztechnik
- Ertrag 900 kWh je kWp, also 360.000 kWh im Jahr
- Eigenverbrauch 60 %, also 216.000 kWh; Strompreis 17,2 Cent je kWh
- Einspeisung 144.000 kWh in der Direktvermarktung, anteiliger anzulegender Wert 5,99 Cent; 8 % fallen in Stunden mit negativen Preisen
- Direktvermarkter 3 Euro und Betriebskosten 15 Euro je kWp und Jahr
| Posten | Betrag pro Jahr |
|---|---|
| Eingesparter Strombezug | rund 37.150 € |
| Erlös Einspeisung nach Direktvermarktung | rund 6.700 € |
| Betriebskosten | rund −6.000 € |
| Überschuss | rund 37.900 € |
| Investition | 340.000 € |
| Einfache Amortisation | rund 9 Jahre |
Fast 85 % des Ertrags kommen aus dem Eigenverbrauch. Ein Betrieb mit nur einer Schicht und 40 % Eigenverbrauch läge bei rund 11,5 Jahren. Die Rechnung enthält keine Steuern, Zinsen, Preisänderungen und Alterung der Module. Wie Abschreibung und Investitionsabzugsbetrag wirken, zeigt der Ratgeber zu Steuern und Abschreibung.
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Häufige Fragen und Antworten
Wie viel Dachfläche braucht 1 MW Photovoltaik?
Auf einem Flachdach etwa 6.000 bis 10.000 m². Das entspricht 6 bis 10 m² je kWp, je nach Aufständerung und Abständen.
Muss das Hallendach vor dem Bau saniert werden?
Wenn die Eindeckung keine 20 Jahre mehr hält, ja. Ein späterer Ab- und Wiederaufbau der Module ist teuer. Lassen Sie Statik und Zustand vor dem Angebot prüfen.
Braucht die Anlage einen Mittelspannungsanschluss?
Bei größeren Anlagen oft. Das entscheidet der Netzbetreiber bei der Netzverträglichkeitsprüfung. Hat Ihr Standort schon eine Übergabestation, sinkt der Aufwand meist deutlich.
Lohnt sich Photovoltaik auf einer Lagerhalle ohne großen Verbrauch?
Weniger als bei einer Produktion. Ohne Eigenverbrauch bleibt nur die Einspeisung mit rund 6 Cent je kWh. Dann kann es sich lohnen, das Dach an einen Investor zu verpachten.
Wie lange dauert ein Projekt auf einer Industriehalle?
Mehrere Monate. Die Netzverträglichkeitsprüfung dauert bis zu acht Wochen, bei Anlagen ab 750 kWp in der Mittelspannung oft zwei bis sechs Monate.
Quellen
- Fachmedium, Photovoltaik-Potenzial von Gewerbedächern (Studie eines Logistikimmobilien-Unternehmens), 10.01.2024
- Branchenangaben zu Photovoltaik in der Industrie (Beratungsunternehmen), Stand 05.10.2026
- Branchenangaben zu Kosten von Gewerbeanlagen (Beratungsunternehmen), Stand 01.07.2026
- Branchenangaben zu Kosten und Planung von Gewerbeanlagen (Beratungsunternehmen), Stand 05.09.2026
- Fachmedium, eigener Transformator für den Netzanschluss, 19.12.2024
- Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2023) §§ 8, 16, 17, 21, geltende Fassung, abgerufen 25.10.2026
- Elektrotechnische-Eigenschaften-Nachweis-Verordnung (NELEV) § 2, geltende Fassung, abgerufen 25.10.2026
- Bundesnetzagentur: EEG-Förderung und -Fördersätze, anzulegende Werte und Ausschreibungsergebnisse zweites Segment 2025, abgerufen 25.10.2026
- BDEW: Strompreisanalyse Haushalte und Industrie, August 2026
- EU-Kommission, JRC: PVGIS 5.3, eigene Abfrage für Kassel (1 kWp, 14 % Systemverluste), 25.10.2026
- Bundesfinanzministerium: AfA-Tabelle für die allgemein verwendbaren Anlagegüter, Fundstelle 3.1.6




